Mittwoch, 9. September 2026

Die Batterie 3 des Sektors Bessoncourt (Belfort)

Beim Durchforsten des Fotobestands meiner Festungsexkursionen stieß ich unlängst auf einige Bilder, die ich im Juli 2002, also vor fast genau 24 Jahren, in der Nähe von Belfort gemacht habe. Ich erinnere mich, dass ich damals die Suche nach der Ouvrage de Denney erfolglos abgebrochen hatte und auf dem Weg in Richtung Fort Bessoncourt war, als mir unmittelbar links der Straße eine Betonkonstruktion auffiel:

Natürlich hielt ich sofort an, um die Anlage näher zu untersuchen. Es schien sich um eine Batterie zu handeln, aber ich konnte lange nicht herausfinden, um welche.

Viel mehr als der Betonbunker und ein gemauerter Trakt rechts davon war von der Batterie nicht zu sehen. Links neben dem Betonbunker waren umfangreiche Erdarbeiten im Gange, und ich hatte das ungute Gefühl, dass selbst diese bescheidenen Relikte nicht mehr lange zu sehen sein würden.

Wie recht ich mit dieser Vermutung hatte, zeigt ein Vergleich des damaligen Luftbilds mit dem heutigen:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Der rote Pfeil markiert den Betonbunker.

Mittlerweile steht dort ein riesiger Gebäudekomplex, dem die Batterie zum Opfer gefallen ist; der Bunker (Koordinaten 47.6528731, 6.9232215) und der benachbarte gemauerte Trakt sind überbetoniert.

Das Bodenrelief ist entsprechend substanzlos:

(Basis: Daten des IGN Frankreich (LiDAR HD / Licence Ouverte))

Den einzigen Kartennachweis, dass an dieser Stelle eine Batterie war, habe ich auf einer Karte des Raums Belfort aus dem Jahr 1973 gefunden:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Mittlerweile habe ich die Batterie identifiziert. Im Blogtitel habe ich den Namen „Batterie 3“ gewählt und werde auch im Weiteren bei dieser Bezeichnung bleiben; die Namensgebung der Batterie ist allerdings etwas komplex:

Zwischen 1887 und 1892 wurde an dieser Stelle eine erste Batterie mit der Bezeichnung „Batterie A“ errichtet, bei der die Geschützplattformen fächerförmig angeordnet waren. Der gemauerte Trakt, den ich 2002 sah, war das Munitionsmagazin und stammte aus dieser Phase.

Bis 1894 wurde sie „Batterie B“ benannt. In diesem Jahr erfolgte ein radikaler Umbau; die Geschützplattformen wurden parallel ausgerichtet und der Betonbunker, ein weiteres Munitionsmagazin, wurde errichtet. Fertigstellung inklusive Anbindung an das Feldbahnnetz war 1907.

Ab 1893 war man dazu übergegangen, nur Ausweichbatterien (d.h. solche, die erst im Spannungsfall mit Geschützen bestückt wurden) mit Buchstaben zu benennen und echte Zwischenbatterien (im Intervall zwischen 2 Forts gelegen) mit Zahlen. In Konsequenz trug die ehemalige Batterie B ab 1894 die Bezeichnung „Batterie 3“.

Dank der großartigen Hilfe der Archives du Territoire Belfort, für die ich mich hiermit ausdrücklich bedanke, habe ich nun auch einen Plan der Anlage, den ich mit CAD nachgezeichnet habe:

Legende:

  1. Geschützplattformen
  2. Munitionslager (Beton)
  3. Munitionslager (gemauert)

Die Batterie war mit drei direkt feuernden Geschützen 120mm long „de Bange“ bewaffnet, deren maximale (theoretische) Reichweite bis zu 12 Kilometer betrug.

(Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)

Als Kampfreichweite nutzte man eine Entfernung zwischen 5 und 9 Kilometern; die Aufgabe von Batterie 3 war es, den folgenden Bereich zwischen den beiden nach Nordosten führenden Hauptstraßen (heute D83 und A36) abzudecken:

(Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende)

Das entspricht einer Reichweite von ca. 4 bis 4,5 Kilometern. Auf einer undatierten zeitgenössischen Karte im Bestand des Service historique de la Défense (SHD) ist ein erheblich größeres Schussfeld eingetragen; es entspricht einer Reichweite von ungefähr 9 Kilometern:

(Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende)

Ungefähr 100 Meter nördlich der Batterie gab es einen Beobachtungsposten, den ich jedoch bis jetzt nicht verifizieren konnte.

Nun zu den Einrichtungen der Batterie, beginnend mit den Geschützstellungen. Im Prinzip handelt es sich um eine „ Batterie de gros calibre à vue directe“, wie sie im Handbuch „Cours de Fortification / Fortification Permanente“ der Division Technique du Génie aus dem Jahr 1909 dargestellt ist:

(Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)

Batterie 3 weicht von diesem Plan allerdings in einigen Details ab. Es gab Unterstände für die Bedienmannschaften, die am Kopf der Geschützplattformen in den Traversen lagen. Die Nischen für die Treibladungen befanden sich am anderen Ende der Traversen:

Zur Orientierung habe ich eine Traverse rot umrandet; die einzelnen Elemente sind:

  1. Geschossnischen
  2. Unterstände für Bedienmannschaften
  3. Geschützplattform
  4. Nischen für Treibladungen

Bei meinem Besuch 2002 war von den Geschützplattformen leider nicht mehr viel zu sehen; lediglich die Westecke der dem Betonbunker nächstgelegenen Plattform konnte ich fotografieren. Das Foto zeigt den Unterstand für die Bedienmannschaften und rechts davon die Geschossnische:

In meinem Fundus habe ich einige Fotos von Batterien mit 120mm long Geschützen; es scheint sich um Trainingsbatterien zu handeln. Bemerkenswerterweise sind auf dem ersten Foto die Geschosse in den Nischen in den Traversen gelagert:



Der Betonbunker diente als Munitionslager für 25 bis 30 Schuss pro Geschütz; er war innen nicht sonderlich spektakulär:


Hier der Ausschnitt aus meinem CAD-Plan:

Interessanter war der gemauerte Trakt rechts davon, der deutlich älter zu sein schien:

Im Inneren gab es zunächst einen kurzen Gang, der sich am Ende T-förmig verzweigte. Von beiden Seitengängen ging jeweils ein Raum in Richtung Batteriefront ab; der rechte Gang hatte außerdem eine Nische auf Bodenniveau auf der rechten Seite:


Beide Räume waren vergleichsweise klein:

Die Nische war offenbar ursprünglich mit eisernen Türen verschlossen:

Beim Umbau 1894 hatte man beschlossen, dieses alte gemauerte Magazin nicht zu betonieren. Stattdessen wurde nur der Betonbunker errichtet, außerdem bekamen Batterie 3 und 4 (knapp südlich von Batterie 3 gelegen) ein gemeinsames neues Munitionsmagazin mit einem Innenvolumen von 3 x 4 x 1,8 Metern, das auf dem Gelände von Batterie 4 errichtet wurde.

Noch kurz zur Munitionslogistik: Die Munition kam per Schmalspurbahn einerseits aus Fort de Bessoncourt, andererseits aus dem Sektorenmagazin Pérouse. Von der Bahntrasse zweigten Stichgeleise in die Batterien ab.

Den Plan des gemauerten Magazins zu rekonstruieren war nicht ganz einfach. Mir lagen 3 Pläne vor:

  • der Originalplan der Batterie
  • ein Plan aus dem „Atlas du Fort de Bessoncourt“ in den Archives du Territoire Belfort
  • ein Plan aus „Cours de Fortification / Fortification Permanente“ der Division Technique du Génie aus dem Jahr 1909

Meine eigenen Erkenntnisse vor Ort flossen natürlich auch ein.

Im Originalplan der Batterie ist das Magazin nur skizzenhaft eingezeichnet; hier meine eigene Übertragung in CAD:

Der Plan aus dem „Atlas du fort de Bessoncourt“ ist als Pulvermagazin der Anschlussbatterien B, C, D und E von Bessoncourt betitelt:

Im Cours de Fortification sieht die Abbildung ähnlich aus; sie ist als „Magasin de Batterie au Maçonnerie ordinaire“ (Batteriemagazin aus gewöhnlichem Mauerwerk) betitelt:

In der Realität sah das Magazin allerdings völlig anders aus. Wie weiter oben beschrieben lagen die Magazinräume nicht am Ende der Seitengänge, sondern im rechten Winkel dazu. Die bodennahe Nische befand sich nicht im linken Seitengang, wie es der Originalplan anzeigt, sondern im rechten. Das Ergebnis ist also der folgende Plan:

Legende:

  1. Treibladungen
  2. Geschosse
  3. Zünder und Sprengkapseln

Ich bin froh, dass ich noch die Gelegenheit hatte, Batterie 3 zu begehen und fotografisch zu dokumentieren, bevor sie verschwand. Sie hätte es eigentlich verdient gehabt, konserviert zu werden, aber wie schon so oft andernorts erlebt, gingen auch hier irgendwelche anderen Interessen vor militärhistorischen.

Die Einbindung der Batterie in den Sektor Bessoncourt habe ich auf folgendem Luftbild dargestellt:

(Quelle: Esri, Maxar, Earthstar Geographics und die GIS-Anwender-Community)

Legende:

  1. Batterie Nr. 3
  2. Batterie Nr. 4
  3. Batterie Nr. 5
  4. Fort de Bessoncourt
  5. Baugrube der geplanten Panzerbatterie für zwei Drehtürme 155 C 08 (*)
  6. Gefechtsbunker (Abri de Combat) mit Beobachter für (5) („Batterie D“)
  7. Batterie Nr. 6
  8. Ouvrage du Rondot
  9. Batterie Nr. 7
  10. Batterie Nr. 10
  11. Alte Batterie de Pérouse (1876)
  12. Sektorenmagazin Pérouse

(*) Hier war eine Panzerbatterie für zwei Drehtürme 155 C 08 wie bei Fort de Longchamp, Épinal vorgesehen, wurde aber nicht fertiggestellt; zum Zeitpunkt der Mobilmachung 1914 waren gerade die Ausschachtungsarbeiten im Gange, deren Spuren heute noch sichtbar sind.

Abschließend möchte ich kurz auf ein geniales Hilfsmittel eingehen, das mir bei der Recherche zu Batterie 3 unschätzbare Dienste geleistet hat. Das französische IGN hat mittlerweile fast alle seine öffentlichen Geodatensätze als Open Data unter der offiziellen französischen Open-Data-Lizenz „Licence Ouverte Etalab 2.0“ freigegeben. Ich habe mit Hilfe der QGIS Software alle relevanten Darstellungen herausgezogen und eine kleine Animation über die Veränderungen des Batteriegeländes zwischen 1951 und heute daraus gemacht (am besten im Vollbildmodus ansehen):

(Bildnachweise: 
© IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab
© Bing Maps und Partner
LiDAR-Daten des IGN Frankreich (LiDAR HD / Licence Ouverte))

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