Montag, 19. Oktober 2026

Nachtrag zum Blockhaus M5 Modell 1918 von Fort de Tavannes

Die Fotos des Blockhauses aus dem ursprünglichen Blogbeitrag entstanden mehrheitlich 1990, als der Notausstieg noch offen war.

Beim Durchstöbern meines Fundus habe ich nun noch einige Fotos des Blockhauses aus den frühen 2000er Jahren gefunden.

Ungefähr in der Bildmitte ist der Notausstieg zu sehen, diesmal mit Gittern verschlossen.

Hier sieht man eine umgekehrt T-förmige Scharte zur Signalübermittlung mit Leuchtpistolen oder Gewehr-Signalgranaten Modell Vivien-Bessière zwischen zwei Maschinengewehr-Scharten.

Auch diese Scharten sind abgestuft trichterförmig, aber im Gegensatz zu den Maschinengewehrscharten nicht mit Metall ausgekleidet.

Die Signalscharte in Nahaufnahme.

Der gleiche Schartentyp findet sich übrigens auch an den Pamart-Kasematten des Forts, hier an der südöstlichen:


Hier geht es zum ursprünglichen Artikel über das Blockhaus.


Mittwoch, 14. Oktober 2026

Update zur Scheinwerferstellung der Batterie Mardi Gras / Verdun

Als ich den ersten Artikel über die Scheinwerferstellung derBatterie Mardi Gras veröffentlichte, kannte ich nur die Position der Tagstellung aus Beton. Wo die Nacht- bzw. Einsatzstellung war und wo die Schienentrasse verlief, war mir damals nicht bekannt, ebensowenig, wo sich das Generatorengebäude befand.

Seitdem habe ich einiges zusätzliches Material bekommen, das mir zumindest dazu verholfen hat, eine Hypothese aufzustellen.

Da wären zunächst detaillierte militärische Stellungs- und Grabenkarten aus der vom französischen Generalstab erarbeiteten historischen Dokumentation „Les Armées Françaises dans la Grande Guerre“, online verfügbar auf https://www.memoiredeshommes.defense.gouv.fr/.

Ich bin auf 3 Karten im Maßstab 1:10000 aus dem Jahr 1916 gestoßen, die u.a. die Gegend nördlich der Batterie Mardi Gras darstellen, hier exemplarisch die Version vom 3. Juni 1916:

(Bildquelle: memoiredeshommes.defense.gouv.fr / © Ministère des armées - Mémoire des Hommes)

Ich habe den wesentlichen Bereich der Karte auf seine wichtigsten Elemente reduziert und beispielsweise die Höhenlinien herausgelöscht. Das Ergebnis sieht so aus:

Ich interpretiere diesen Ausschnitt wie folgt:

(1) Ist die Tagstellung des Scheinwerfers, die man auch heute noch sieht, (2) ist die Schienentrasse und (3) ist die Nacht- bzw. Einsatzstellung oberhalb der Eisenbahntrasse Metz-Verdun. (4) ist auf der Karte mit „Abri“ (Unterstand) gekennzeichnet; ich vermute, dass es sich dabei um das Generatorengebäude handelt.

Darauf gekommen bin ich, als ich mir auf der gleichen Karte die Gegend um die Scheinwerferstellung von Eix ansah:

(Bildquelle: memoiredeshommes.defense.gouv.fr / © Ministère des armées - Mémoire des Hommes)

Was hier mit „Abri“ gekennzeichnet ist, ist tatsächlich das Generatorengebäude, hier ein paar Fotos von 2004:

(mit freundlicher Genehmigung von Bernd Nommsen)

Das Kartensymbol für diesen Abri ist identisch mit dem nördlich der Batterie Mardi Gras.

Natürlich habe ich mir das auch auf dem Bodenrelief angesehen:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Schienentrasse zu erkennen. Sie verläuft zwischen einem Waldweg neueren Datums und einem Schützengraben und ist stärker gekrümmt als auf der Karte:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Die Einsatzposition des Scheinwerfers ist optimal gewählt. Ich habe die Höhenprofile in Richtung Nordosten ausgewertet; die Bahnstrecke kann einige Kilometer weit in Richtung Étain ausgeleuchtet werden. Hier das Bodenrelief zwischen Fort de Tavannes und Eix-Abaucourt:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Die rote gestrichelte Linie ist die Aufnahmelinie für das Höhenprofil:

Die Konstellation Tagstellung – Schienentrasse – Einsatzstellung dürfte also plausibel sein. Was mir nun noch Kopfzerbrechen bereitet, ist die Position des Generatorengebäudes. Ich habe die Abstände zwischen den vermuteten Positionen vermessen:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Der Suchscheinwerfer wurde mit Gleichstrom unter niedriger Spannung betrieben, was eine hohe Stromstärke erfordert. Gleichstrom bei niedriger Spannung ist über weite Strecken extrem anfällig für Leitungsverluste; jeder Meter Kabel verringert den Strom, der am Scheinwerfer ankommt. Fällt die Spannung am Scheinwerfer durch den Leitungswiderstand zu stark ab, kann der Lichtbogen zwischen den Kohlestiften nicht mehr stabil brennen. Er flackert, reißt ab oder die Lichtleistung bricht massiv ein.

Einen 60cm-Scheinwerfer (um den kleinstmöglichen Durchmesser anzunehmen) über eine Entfernung von 180 Metern mit genügend Strom zu versorgen, hätte ein Kabel von 70 mm² erfordert, was einem Kabel-Gesamtgewicht von 400 bis 500 Kilogramm für Hin- und Rückleitung entsprochen hätte. Die Anlage ist zwar sicher noch vor dem Krieg errichtet worden, aber ich bin sehr skeptisch, ob man diesen Aufwand getrieben hätte, zumal es strategisch sicher günstigere Positionen gegeben hätte.

Zum Vergleich dazu die Scheinwerferstellung auf dem MonteBrione am Gardasee:

(Bilder © 2026 Airbus, Kartendaten © 2026 Google)

Der Eingang zum Generatorenstollen und die Einsatzposition des Scheinwerfers sind hier gerade mal 31 Meter voneinander entfernt, was eine erheblich vernünftigere Position ist:

Unglücklicherweise gibt es weder im Bodenrelief noch auf den Karten der Scheinwerferstellung Mardi Gras irgendein anderes Objekt in vernünftiger Entfernung, das sich als Generatorenhaus interpretieren ließe – es gibt nur besagten „Abri“.

Auch auf meinen Luftbildern ist nur der „Abri“ eindeutig als Gebäude zu erkennen. Das erste Bild ist vom 30. April 1916; man erkennt oben links den „Abri“. Er hat keine Erdüberdeckung wie die Scheinwerfer-Tagstellung, die sich ungefähr in der Bildmitte befindet, was für ein Gebäude spricht und nicht um einen Unterstand im Sinne eines Bunkers. Die Schienentrasse erkennt man nicht, sie ist unter der Vegetation verborgen.

Zwei weitere Luftbilder von 1916 haben den gleichen Aussagegehalt. Hier Nummer 4 vom 25. August 1916, also 4 Monate später:

Die Landschaft hat deutlich unter dem 6-monatigen Artilleriebeschuss gelitten, die Vegetation ist stark reduziert. Der „Abri“ oben links scheint wenig beschädigt; die Schienentrasse ist allenfalls zu erahnen. Es ist fraglich, ob der Scheinwerfer zu dieser Zeit überhaupt noch betrieben werden konnte.

Soweit die Hypothese. Sie wird noch eine Weile auf Überprüfung warten müssen, denn die Entfernung zwischen Erlangen und Verdun macht es unwahrscheinlich, dass ich mir das in absehbarer Zeit vor Ort ansehen kann. Vielleicht hat ja einer meiner Leser einen Anhaltspunkt darüber, ob der „Abri“ tatsächlich das Generatorengebäude ist; in diesem Fall bitte ich um entsprechende Kommentierung oder E-Mail.

Abschließend vollständigkeitshalber noch ein Foto, vermutlich von 1916, das ich kürzlich erstanden habe. Es zeigt eine Gruppe von 5 französischen Soldaten am Eingang des Generatorengebäudes von Mardi Gras (die Kolorierung stammt von mir):



Samstag, 26. September 2026

Das Blockhaus M5 Modell 1918 von Fort de Tavannes

Das Blockhaus M5 Modell 1918 von Fort de Tavannes ist einzigartig in Verdun: 

Sein Grundriss ist annähernd oktagonal, genauer quadratisch mit angeschnittenen Kanten. Die Wandstärke beträgt etwa 2 Meter. Die Außenwände verlaufen vom Boden bis zu den Scharten und dem Notausgang senkrecht; oberhalb sind sie gewölbt, um die Anfälligkeit scharfer Kanten zu vermeiden und das Abprallen von Geschossen zu begünstigen.

Die Dicke des Dachs, das auf Höhe jeder Schießscharte mit einer Lüftungsöffnung versehen ist, variiert zwischen 1,50 und 2 Metern.

Insgesamt gewährleistet die bauliche Konzeption des Bunkers eine strukturelle Resistenz gegen Artilleriebeschuss bis zu einem Kaliber von 220 Millimetern.

Der Bunker verfügt über folgende Öffnungen:

  • 4 gusseiserne, trichterförmige Maschinengewehrscharten analog den Pamart-Kasematten Modell 1917 mit einem Schusswinkel von 60 Grad

  • 3 umgekehrt T-förmige Gewehr- oder Maschinengewehrscharten zur Signalübermittlung mit Leuchtpistolen oder Gewehr-Signalgranaten Modell Vivien-Bessière, auf dem ersten Foto rechts zu sehen.
  • Eine Notausstiegsöffnung, die innen mit Schwellen aus Stahl oder armiertem Beton verschlossen werden konnte. Die folgende Aufnahme entstand (wie die meisten Aufnahmen dieses Beitrags) 1990; heute ist der Zugang mit einem massiven Metallgitter verschlossen:

Im Inneren hat der Bunker zwei Ebenen: Ebenerdig sind die Kampfstände, im Untergeschoss führte eine hölzerne Wendeltreppe (heute nicht mehr vorhanden) in das Stollensystem von Fort de Tavannes.

Das folgende Bild zeigt einen Maschinengewehr-Kampfstand im Erdgeschossinneren:

Über einen senkrechten Abstieg gelangt man ins Untergeschoss, wo die Wendeltreppe begann. Die Betondicke zwischen Erd- und Untergeschoss beträgt 1,80 Meter:

Abschließend ein Blick von unten hinauf in den Wendeltreppenschacht:

Dass das Betreten des Bunkers mittlerweile nicht mehr möglich ist, ist wohlbegründet: Der Zugang zur früheren Wendeltreppe im Untergeschoss ist einfach ein Loch im Boden und äußerst gefährlich, da es dort ansatzlos ca. 10 Meter senkrecht nach unten geht.

Hier gibt es ein Update zum Blockhaus.

Mittwoch, 9. September 2026

Die Batterie 3 des Sektors Bessoncourt (Belfort)

Beim Durchforsten des Fotobestands meiner Festungsexkursionen stieß ich unlängst auf einige Bilder, die ich im Juli 2002, also vor fast genau 24 Jahren, in der Nähe von Belfort gemacht habe. Ich erinnere mich, dass ich damals die Suche nach der Ouvrage de Denney erfolglos abgebrochen hatte und auf dem Weg in Richtung Fort Bessoncourt war, als mir unmittelbar links der Straße eine Betonkonstruktion auffiel:

Natürlich hielt ich sofort an, um die Anlage näher zu untersuchen. Es schien sich um eine Batterie zu handeln, aber ich konnte lange nicht herausfinden, um welche.

Viel mehr als der Betonbunker und ein gemauerter Trakt rechts davon war von der Batterie nicht zu sehen. Links neben dem Betonbunker waren umfangreiche Erdarbeiten im Gange, und ich hatte das ungute Gefühl, dass selbst diese bescheidenen Relikte nicht mehr lange zu sehen sein würden.

Wie recht ich mit dieser Vermutung hatte, zeigt ein Vergleich des damaligen Luftbilds mit dem heutigen:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Der rote Pfeil markiert den Betonbunker.

Mittlerweile steht dort ein riesiger Gebäudekomplex, dem die Batterie zum Opfer gefallen ist; der Bunker (Koordinaten 47.6528731, 6.9232215) und der benachbarte gemauerte Trakt sind überbetoniert.

Das Bodenrelief ist entsprechend substanzlos:

(Basis: Daten des IGN Frankreich (LiDAR HD / Licence Ouverte))

Den einzigen Kartennachweis, dass an dieser Stelle eine Batterie war, habe ich auf einer Karte des Raums Belfort aus dem Jahr 1973 gefunden:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Mittlerweile habe ich die Batterie identifiziert. Im Blogtitel habe ich den Namen „Batterie 3“ gewählt und werde auch im Weiteren bei dieser Bezeichnung bleiben; die Namensgebung der Batterie ist allerdings etwas komplex:

Zwischen 1887 und 1892 wurde an dieser Stelle eine erste Batterie mit der Bezeichnung „Batterie A“ errichtet, bei der die Geschützplattformen fächerförmig angeordnet waren. Der gemauerte Trakt, den ich 2002 sah, war das Munitionsmagazin und stammte aus dieser Phase.

Bis 1894 wurde sie „Batterie B“ benannt. In diesem Jahr erfolgte ein radikaler Umbau; die Geschützplattformen wurden parallel ausgerichtet und der Betonbunker, ein weiteres Munitionsmagazin, wurde errichtet. Fertigstellung inklusive Anbindung an das Feldbahnnetz war 1907.

Ab 1893 war man dazu übergegangen, nur Ausweichbatterien (d.h. solche, die erst im Spannungsfall mit Geschützen bestückt wurden) mit Buchstaben zu benennen und echte Zwischenbatterien (im Intervall zwischen 2 Forts gelegen) mit Zahlen. In Konsequenz trug die ehemalige Batterie B ab 1894 die Bezeichnung „Batterie 3“.

Dank der großartigen Hilfe der Archives du Territoire Belfort, für die ich mich hiermit ausdrücklich bedanke, habe ich nun auch einen Plan der Anlage, den ich mit CAD nachgezeichnet habe:

Legende:

  1. Geschützplattformen
  2. Munitionslager (Beton)
  3. Munitionslager (gemauert)

Die Batterie war mit drei direkt feuernden Geschützen 120mm long „de Bange“ bewaffnet, deren maximale (theoretische) Reichweite bis zu 12 Kilometer betrug.

(Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)

Als Kampfreichweite nutzte man eine Entfernung zwischen 5 und 9 Kilometern; die Aufgabe von Batterie 3 war es, den folgenden Bereich zwischen den beiden nach Nordosten führenden Hauptstraßen (heute D83 und A36) abzudecken:

(Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende)

Das entspricht einer Reichweite von ca. 4 bis 4,5 Kilometern. Auf einer undatierten zeitgenössischen Karte im Bestand des Service historique de la Défense (SHD) ist ein erheblich größeres Schussfeld eingetragen; es entspricht einer Reichweite von ungefähr 9 Kilometern:

(Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende)

Ungefähr 100 Meter nördlich der Batterie gab es einen Beobachtungsposten, den ich jedoch bis jetzt nicht verifizieren konnte.

Nun zu den Einrichtungen der Batterie, beginnend mit den Geschützstellungen. Im Prinzip handelt es sich um eine „ Batterie de gros calibre à vue directe“, wie sie im Handbuch „Cours de Fortification / Fortification Permanente“ der Division Technique du Génie aus dem Jahr 1909 dargestellt ist:

(Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)

Batterie 3 weicht von diesem Plan allerdings in einigen Details ab. Es gab Unterstände für die Bedienmannschaften, die am Kopf der Geschützplattformen in den Traversen lagen. Die Nischen für die Treibladungen befanden sich am anderen Ende der Traversen:

Zur Orientierung habe ich eine Traverse rot umrandet; die einzelnen Elemente sind:

  1. Geschossnischen
  2. Unterstände für Bedienmannschaften
  3. Geschützplattform
  4. Nischen für Treibladungen

Bei meinem Besuch 2002 war von den Geschützplattformen leider nicht mehr viel zu sehen; lediglich die Westecke der dem Betonbunker nächstgelegenen Plattform konnte ich fotografieren. Das Foto zeigt den Unterstand für die Bedienmannschaften und rechts davon die Geschossnische:

In meinem Fundus habe ich einige Fotos von Batterien mit 120mm long Geschützen; es scheint sich um Trainingsbatterien zu handeln. Bemerkenswerterweise sind auf dem ersten Foto die Geschosse in den Nischen in den Traversen gelagert:



Der Betonbunker diente als Munitionslager für 25 bis 30 Schuss pro Geschütz; er war innen nicht sonderlich spektakulär:


Hier der Ausschnitt aus meinem CAD-Plan:

Interessanter war der gemauerte Trakt rechts davon, der deutlich älter zu sein schien:

Im Inneren gab es zunächst einen kurzen Gang, der sich am Ende T-förmig verzweigte. Von beiden Seitengängen ging jeweils ein Raum in Richtung Batteriefront ab; der rechte Gang hatte außerdem eine Nische auf Bodenniveau auf der rechten Seite:


Beide Räume waren vergleichsweise klein:

Die Nische war offenbar ursprünglich mit eisernen Türen verschlossen:

Beim Umbau 1894 hatte man beschlossen, dieses alte gemauerte Magazin nicht zu betonieren. Stattdessen wurde nur der Betonbunker errichtet, außerdem bekamen Batterie 3 und 4 (knapp südlich von Batterie 3 gelegen) ein gemeinsames neues Munitionsmagazin mit einem Innenvolumen von 3 x 4 x 1,8 Metern, das auf dem Gelände von Batterie 4 errichtet wurde.

Noch kurz zur Munitionslogistik: Die Munition kam per Schmalspurbahn einerseits aus Fort de Bessoncourt, andererseits aus dem Sektorenmagazin Pérouse. Von der Bahntrasse zweigten Stichgeleise in die Batterien ab.

Den Plan des gemauerten Magazins zu rekonstruieren war nicht ganz einfach. Mir lagen 3 Pläne vor:

  • der Originalplan der Batterie
  • ein Plan aus dem „Atlas du Fort de Bessoncourt“ in den Archives du Territoire Belfort
  • ein Plan aus „Cours de Fortification / Fortification Permanente“ der Division Technique du Génie aus dem Jahr 1909

Meine eigenen Erkenntnisse vor Ort flossen natürlich auch ein.

Im Originalplan der Batterie ist das Magazin nur skizzenhaft eingezeichnet; hier meine eigene Übertragung in CAD:

Der Plan aus dem „Atlas du fort de Bessoncourt“ ist als Pulvermagazin der Anschlussbatterien B, C, D und E von Bessoncourt betitelt:

Im Cours de Fortification sieht die Abbildung ähnlich aus; sie ist als „Magasin de Batterie au Maçonnerie ordinaire“ (Batteriemagazin aus gewöhnlichem Mauerwerk) betitelt:

In der Realität sah das Magazin allerdings völlig anders aus. Wie weiter oben beschrieben lagen die Magazinräume nicht am Ende der Seitengänge, sondern im rechten Winkel dazu. Die bodennahe Nische befand sich nicht im linken Seitengang, wie es der Originalplan anzeigt, sondern im rechten. Das Ergebnis ist also der folgende Plan:

Legende:

  1. Treibladungen
  2. Geschosse
  3. Zünder und Sprengkapseln

Ich bin froh, dass ich noch die Gelegenheit hatte, Batterie 3 zu begehen und fotografisch zu dokumentieren, bevor sie verschwand. Sie hätte es eigentlich verdient gehabt, konserviert zu werden, aber wie schon so oft andernorts erlebt, gingen auch hier irgendwelche anderen Interessen vor militärhistorischen.

Die Einbindung der Batterie in den Sektor Bessoncourt habe ich auf folgendem Luftbild dargestellt:

(Quelle: Esri, Maxar, Earthstar Geographics und die GIS-Anwender-Community)

Legende:

  1. Batterie Nr. 3
  2. Batterie Nr. 4
  3. Batterie Nr. 5
  4. Fort de Bessoncourt
  5. Baugrube der geplanten Panzerbatterie für zwei Drehtürme 155 C 08 (*)
  6. Gefechtsbunker (Abri de Combat) mit Beobachter für (5) („Batterie D“)
  7. Batterie Nr. 6
  8. Ouvrage du Rondot
  9. Batterie Nr. 7
  10. Batterie Nr. 10
  11. Alte Batterie de Pérouse (1876)
  12. Sektorenmagazin Pérouse

(*) Hier war eine Panzerbatterie für zwei Drehtürme 155 C 08 wie bei Fort de Longchamp, Épinal vorgesehen, wurde aber nicht fertiggestellt; zum Zeitpunkt der Mobilmachung 1914 waren gerade die Ausschachtungsarbeiten im Gange, deren Spuren heute noch sichtbar sind.

Abschließend möchte ich kurz auf ein geniales Hilfsmittel eingehen, das mir bei der Recherche zu Batterie 3 unschätzbare Dienste geleistet hat. Das französische IGN hat mittlerweile fast alle seine öffentlichen Geodatensätze als Open Data unter der offiziellen französischen Open-Data-Lizenz „Licence Ouverte Etalab 2.0“ freigegeben. Ich habe mit Hilfe der QGIS Software alle relevanten Darstellungen herausgezogen und eine kleine Animation über die Veränderungen des Batteriegeländes zwischen 1951 und heute daraus gemacht (am besten im Vollbildmodus ansehen):

(Bildnachweise: 
© IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab
© Bing Maps und Partner
LiDAR-Daten des IGN Frankreich (LiDAR HD / Licence Ouverte))