Beim Durchforsten des Fotobestands meiner
Festungsexkursionen stieß ich unlängst auf einige Bilder, die ich im Juli 2002,
also vor fast genau 24 Jahren, in der Nähe von Belfort gemacht habe. Ich
erinnere mich, dass ich damals die Suche nach der Ouvrage de Denney erfolglos
abgebrochen hatte und auf dem Weg in Richtung Fort Bessoncourt war, als mir
unmittelbar links der Straße eine Betonkonstruktion auffiel:
Natürlich hielt ich sofort an, um die Anlage näher zu
untersuchen. Es schien sich um eine Batterie zu handeln, aber ich konnte lange
nicht herausfinden, um welche.
Viel mehr als der Betonbunker und ein gemauerter Trakt rechts
davon war von der Batterie nicht zu sehen. Links neben dem Betonbunker waren
umfangreiche Erdarbeiten im Gange, und ich hatte das ungute Gefühl, dass selbst
diese bescheidenen Relikte nicht mehr lange zu sehen sein würden.
Wie recht ich mit dieser Vermutung hatte, zeigt ein
Vergleich des damaligen Luftbilds mit dem heutigen:
(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)
Der rote Pfeil markiert den Betonbunker.
Mittlerweile steht dort ein riesiger Gebäudekomplex, dem die
Batterie zum Opfer gefallen ist; der Bunker (Koordinaten 47.6528731, 6.9232215)
und der benachbarte gemauerte Trakt sind überbetoniert.
Das Bodenrelief ist entsprechend substanzlos:
(Basis: Daten des IGN Frankreich (LiDAR HD / Licence
Ouverte))
Den einzigen Kartennachweis, dass an dieser Stelle eine
Batterie war, habe ich auf einer Karte des Raums Belfort aus dem Jahr 1973
gefunden:
(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte
Etalab)
Mittlerweile habe ich die Batterie identifiziert. Im
Blogtitel habe ich den Namen „Batterie 3“ gewählt und werde auch im Weiteren
bei dieser Bezeichnung bleiben; die Namensgebung der Batterie ist allerdings
etwas komplex:
Zwischen 1887 und 1892 wurde an dieser Stelle eine erste
Batterie mit der Bezeichnung „Batterie A“ errichtet, bei der die
Geschützplattformen fächerförmig angeordnet waren. Der gemauerte Trakt, den ich
2002 sah, war das Munitionsmagazin und stammte aus dieser Phase.
Bis 1894 wurde sie „Batterie B“ benannt. In diesem Jahr
erfolgte ein radikaler Umbau; die Geschützplattformen wurden parallel
ausgerichtet und der Betonbunker, ein weiteres Munitionsmagazin, wurde
errichtet. Fertigstellung inklusive Anbindung an das Feldbahnnetz war 1907.
Ab 1893 war man dazu übergegangen, nur Ausweichbatterien
(d.h. solche, die erst im Spannungsfall mit Geschützen bestückt wurden) mit
Buchstaben zu benennen und echte Zwischenbatterien (im Intervall zwischen 2
Forts gelegen) mit Zahlen. In Konsequenz trug die ehemalige Batterie B ab
1894 die Bezeichnung „Batterie 3“.
Dank der großartigen Hilfe der Archives du Territoire
Belfort, für die ich mich hiermit ausdrücklich bedanke, habe ich nun auch einen
Plan der Anlage, den ich mit CAD nachgezeichnet habe:
Legende:
- Geschützplattformen
- Munitionslager (Beton)
- Munitionslager (gemauert)
Die Batterie war mit drei direkt feuernden Geschützen 120mm
long „de Bange“ bewaffnet, deren maximale (theoretische) Reichweite bis zu 12
Kilometer betrug.
(Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)
Als Kampfreichweite nutzte man eine Entfernung zwischen 5
und 9 Kilometern; die Aufgabe von Batterie 3 war es, den folgenden Bereich
zwischen den beiden nach Nordosten führenden Hauptstraßen (heute D83 und A36) abzudecken:
(Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende)
Das entspricht einer Reichweite von ca. 4 bis 4,5 Kilometern. Auf einer undatierten zeitgenössischen Karte im Bestand des Service historique de la Défense (SHD) ist ein erheblich größeres Schussfeld eingetragen; es entspricht einer Reichweite von ungefähr 9 Kilometern:
(Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende)
Ungefähr 100 Meter nördlich der Batterie gab es einen
Beobachtungsposten, den ich jedoch bis jetzt nicht verifizieren konnte.
Nun zu den Einrichtungen der Batterie, beginnend mit den
Geschützstellungen. Im Prinzip handelt es sich um eine „ Batterie de gros
calibre à vue directe“, wie sie im Handbuch „Cours de Fortification /
Fortification Permanente“ der Division Technique du Génie aus dem Jahr 1909
dargestellt ist:
(Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)
Batterie 3 weicht von diesem Plan allerdings in einigen
Details ab. Es gab Unterstände für die Bedienmannschaften, die am Kopf der
Geschützplattformen in den Traversen lagen. Die Nischen für die Treibladungen
befanden sich am anderen Ende der Traversen:
Zur Orientierung habe ich eine Traverse rot umrandet; die
einzelnen Elemente sind:
- Geschossnischen
- Unterstände für Bedienmannschaften
- Geschützplattform
- Nischen für Treibladungen
Bei meinem Besuch 2002 war von den Geschützplattformen
leider nicht mehr viel zu sehen; lediglich die Westecke der dem Betonbunker nächstgelegenen
Plattform konnte ich fotografieren. Das Foto zeigt den Unterstand für die
Bedienmannschaften und rechts davon die Geschossnische:
In meinem Fundus habe ich einige Fotos von Batterien mit 120mm long
Geschützen; es scheint sich um Trainingsbatterien zu handeln.
Bemerkenswerterweise sind auf dem ersten Foto die Geschosse in den Nischen in den Traversen
gelagert:
Der Betonbunker diente als Munitionslager für 25 bis 30
Schuss pro Geschütz; er war innen nicht sonderlich spektakulär:
Hier der Ausschnitt aus meinem CAD-Plan:
Interessanter war der gemauerte Trakt rechts davon, der
deutlich älter zu sein schien:
Im Inneren gab es zunächst einen kurzen Gang, der sich am
Ende T-förmig verzweigte. Von beiden Seitengängen ging jeweils ein Raum in
Richtung Batteriefront ab; der rechte Gang hatte außerdem eine Nische auf
Bodenniveau auf der rechten Seite:
Beide Räume waren vergleichsweise klein:
Die Nische war offenbar ursprünglich mit eisernen Türen
verschlossen:

Beim Umbau 1894 hatte man beschlossen, dieses alte gemauerte
Magazin nicht zu betonieren. Stattdessen wurde nur der Betonbunker errichtet,
außerdem bekamen Batterie 3 und 4 (knapp südlich von Batterie 3 gelegen) ein
gemeinsames neues Munitionsmagazin mit einem Innenvolumen von 3 x 4 x 1,8
Metern, das auf dem Gelände von Batterie 4 errichtet wurde.
Noch kurz zur Munitionslogistik: Die Munition kam per
Schmalspurbahn einerseits aus Fort de Bessoncourt, andererseits aus dem
Sektorenmagazin Pérouse. Von der Bahntrasse zweigten Stichgeleise in die
Batterien ab.
Den Plan des gemauerten Magazins zu rekonstruieren war nicht
ganz einfach. Mir lagen 3 Pläne vor:
- der Originalplan der Batterie
- ein Plan aus dem „Atlas du Fort de Bessoncourt“ in den Archives
du Territoire Belfort
- ein Plan aus „Cours de Fortification / Fortification
Permanente“ der Division Technique du Génie aus dem Jahr 1909
Meine eigenen Erkenntnisse vor Ort flossen natürlich auch
ein.
Im Originalplan der Batterie ist das Magazin nur skizzenhaft
eingezeichnet; hier meine eigene Übertragung in CAD:
Der Plan aus dem „Atlas du fort de Bessoncourt“ ist als
Pulvermagazin der Anschlussbatterien B, C, D und E von Bessoncourt betitelt:
Im Cours de Fortification sieht die Abbildung ähnlich aus;
sie ist als „Magasin de Batterie au Maçonnerie ordinaire“ (Batteriemagazin aus
gewöhnlichem Mauerwerk) betitelt:
In der Realität sah das Magazin allerdings völlig anders
aus. Wie weiter oben beschrieben lagen die Magazinräume nicht am Ende der
Seitengänge, sondern im rechten Winkel dazu. Die bodennahe Nische befand sich
nicht im linken Seitengang, wie es der Originalplan anzeigt, sondern im
rechten. Das Ergebnis ist also der folgende Plan:
Legende:
- Treibladungen
- Geschosse
- Zünder und Sprengkapseln
Ich bin froh, dass ich noch die
Gelegenheit hatte, Batterie 3 zu begehen und fotografisch zu dokumentieren,
bevor sie verschwand. Sie hätte es eigentlich verdient gehabt, konserviert zu
werden, aber wie schon so oft andernorts erlebt, gingen auch hier irgendwelche
anderen Interessen vor militärhistorischen.
Die Einbindung der Batterie in
den Sektor Bessoncourt habe ich auf folgendem Luftbild dargestellt:
(Quelle: Esri, Maxar, Earthstar Geographics und die GIS-Anwender-Community)
Legende:
- Batterie Nr. 3
- Batterie Nr. 4
- Batterie Nr. 5
- Fort de Bessoncourt
- Baugrube der geplanten
Panzerbatterie für zwei Drehtürme 155 C 08 (*)
- Gefechtsbunker (Abri de
Combat) mit Beobachter für (5) („Batterie D“)
- Batterie Nr. 6
- Ouvrage du Rondot
- Batterie Nr. 7
- Batterie Nr. 10
- Alte Batterie de Pérouse
(1876)
- Sektorenmagazin Pérouse
(*) Hier war eine Panzerbatterie für zwei Drehtürme 155 C 08 wie bei Fort de Longchamp, Épinal vorgesehen,
wurde aber nicht fertiggestellt; zum Zeitpunkt der Mobilmachung 1914 waren gerade die Ausschachtungsarbeiten im Gange, deren Spuren heute noch
sichtbar sind.
Abschließend möchte ich kurz auf
ein geniales Hilfsmittel eingehen, das mir bei der Recherche zu Batterie 3
unschätzbare Dienste geleistet hat. Das französische IGN hat mittlerweile fast
alle seine öffentlichen Geodatensätze als Open Data unter der offiziellen
französischen Open-Data-Lizenz „Licence Ouverte Etalab 2.0“ freigegeben. Ich
habe mit Hilfe der QGIS Software alle relevanten Darstellungen herausgezogen
und eine kleine Animation über die Veränderungen des Batteriegeländes zwischen
1951 und heute daraus gemacht (am besten im Vollbildmodus ansehen):
(Bildnachweise:
© IGN – Données
publiques / Licence Ouverte Etalab
© Bing Maps und Partner
LiDAR-Daten des IGN Frankreich (LiDAR HD / Licence Ouverte))