Mittwoch, 28. Oktober 2026

Die Pamart-Kasematten von Fort de Tavannes

(Die Pamart-Kasematte M1 von Fort de Tavannes)

Prolog - Entwicklung und Aufbau der Pamart-Kasematten

Im Zuge der verhängnisvollen Entwaffnung der Forts Ende 1915 hatte der Festungsplatz Verdun seine primäre Artilleriebewaffnung nahezu vollständig eingebüßt. Als im Februar 1916 die deutsche Großoffensive losbrach und General Pétain das Oberkommando übernahm, wurde umgehend die forcierte Wiederaufrüstung der Forts eingeleitet. Da deren Reaktivierung sofort Deutsches Artilleriefeuer auf sich zog, mussten Besatzungen und Kommunikationswege geschützt werden; dies wurde bewerkstelligt, indem man ab Mai 1916 (Fort Moulainville) Stollen in 10 bis 40 Meter Tiefe unter den Forts anlegte („Traveaux de 17“). Laut der militärisch-technischen Publikation "Bulletin de renseignements du génie" No. X von 1919 waren bis 1. November 1918 etwa 31.500 Meter an unterirdischen Stollen, Zugangstunneln und in Betrieb befindlichen Schächten gegraben worden, zuzüglich 2.700 Metern an Arbeitsschächten.

Die Umbau- und Reorganisationsarbeiten wurden vom neu gegründeten Festungsdienst („Service des Forts“) geleitet. Im Rahmen dieser Arbeiten entwickelte Capitain Pamart, Chef des Service Électrique et des Ateliers du Service des Forts Génicourt, im September 1916 eine neuartige, gepanzerte Maschinengewehrkasematte. Diese später nach ihrem Erfinder benannten Pamart-Kasematten sollten als unterirdisch angebundene, aktive Außenstellungen der Forts auf deren Glacis den Nahbereich und die Zugänge gegen feindliche Infanterieangriffe schützen, ohne Artilleriefeuer auf sich zu ziehen.

Die Pamart-Kasematte wurde in zwei Varianten hergestellt, bei denen sich die ballistische Schutzwirkung und das Schussfeld signifikant unterschieden:

  • Das Ein-Scharten-Modell: Diese erste Ausführung besaß ein horizontales Schussfeld von lediglich 70°. Ihr Panzergehäuse wog 2,5 Tonnen und wies an der Front eine Stärke von 150 mm auf (abfallend auf 60 mm im hinteren Bereich). Da der enge Richtbereich die Rundumverteidigung stark limitierte, wurden nur 8 Exemplare dieser Vorserie im Feld installiert und das Modell frühzeitig aufgegeben.
    Ein Update zu den Ein-Scharten-Modellen gibt es hier.
  • Das Zwei-Scharten-Modell (Schwerpunkt): Um die taktische Einschränkung zu beheben, konstruierte Pamart die finale Version mit zwei separaten Schießscharten. Jede Scharte deckte eigenständig einen Winkel von 90° ab. Durch eine geringfügige Überschneidung der Sektoren erzeugte die Kuppel einen hochwirksamen, kombinierten Seitenrichtbereich von insgesamt 165°. Die Kuppel ragte nur 80 bis 90 cm über die Erdoberfläche hinaus; ihr gewölbtes Stahldach begünstigte das wirkungsvolle Abprallen von Volltreffern. Das Gewicht der Kernpanzerung stieg auf 3,7 Tonnen.

Das Innere der Zwei-Scharten-Kasematte war ein ergonomisch durchdachter, hochkompakter Kampfraum, dessen Mechanik explizit auf Dauereinsatz und Gasschutz ausgelegt war:

  • Rotierendes Pivot-System: Zentral im Scheitelpunkt des Daches hing eine schwenkbare Lafette, auf der zwei Maschinengewehre vertikal übereinander gelagert waren. Es konnte konstruktionsbedingt immer nur eine Waffe aktiv in eine Scharte eingeschwenkt werden. Während das obere Maschinengewehr feuerte, hing die zweite Waffe direkt darunter in einem der beiden angebolzten, äußeren Vorpanzer. Diese beiden Vorpanzer wogen zusammen zusätzliche 792 kg und erfüllten eine Doppelfunktion: Sie schützten die Schartenöffnungen nach unten hin und dienten als geschlossenes Gehäuse (Coffre rapporté), in dem das inaktive Maschinengewehr abkühlen und aufmunitioniert werden konnte. Durch eine schnelle Drehung des Schützen am Pivot wurden die Rollen der Waffen im Gefecht getauscht.

Legende:

  1. Periskop
  2. Stahlkuppel
  3. Lafettenaufhängung
  4. Lafette für das obere MG
  5. Lafette für das untere MG
  6. Vorpanzer / Coffre rapporté
  7. Munitionsnische
  8. Zugangsschacht aus dem Stollensystem
  • Sicherung der nicht genutzten Seite: Die gerade nicht genutzte Schießscharte wurde mit massiven Metallschilden bzw. Verschlussstopfen verriegelt, um den Kampfraum vor Splitterwirkung und feindlichem Beschuss zu schützen.
  • Optik und Ventilation: Zur Gefechtsfeldbeobachtung besaß das Dach zwei Bohrungen mit verschraubbaren Verschlüssen, durch die Periskope ausgefahren werden konnten. Ein manuell betriebener Handventilator saugte permanent reine Luft aus dem unterirdischen Stollensystem an, um im Kampfraum einen Überdruck zu erzeugen. Dies hielt die Innenluft atembar und presste die giftigen Pulvergase über die Schartenöffnungen nach außen.

Die Pamart-Kasematten waren keine isolierten Feldbefestigungen. Ihre Installation erfolgte über Zugangsschächte von mehr als 10 Metern Tiefe, die direkt an das verästelte, bombensichere Stollensystem (Traveaux de 17) angebunden waren. Die Schächte waren typischerweise mit Leitern und mechanischen Lastenaufzügen für den raschen Munitions- und Materialtransport ausgestattet. Um zu verhindern, dass die Besatzung bei einem schweren Volltreffer und dem Einsturz der Stollenverbindung lebendig begraben wurde, verfügten einzelne Kasematten über einen Notausgang zum Glacis.

Der logistische Aufwand, Pamart-Kasematten im zerfurchten Gelände von Verdun zu errichten, war immens. Der Festungsdienst konnte unter den chaotischen Bedingungen der Schlammwüsten im Schnitt höchstens zwei Anlagen pro Monat fertigstellen. Bis zum Waffenstillstand am 1. November 1918 wurden von 47 produzierten Pamart-Kuppeln (gegossen bei Ferry-Capitain in Joinville) laut "Bulletin de renseignements du génie" No. X insgesamt 34 tatsächlich verbaut, davon 8 Ein-Scharten-Modelle und 26 Zwei-Scharten-Modelle. 8 weitere Kuppeln standen zum Einbau bereit.

Die schutztechnische Bilanz der Pamart-Kasematten ist bemerkenswert: Keine der dokumentierten Anlagen wurde im Ersten Weltkrieg durch direkte Artillerietreffer vernichtet; die Kuppeln widerstanden auftreffenden Kalibern bis zu 220 mm problemlos. Das Konzept überzeugte die Militärführung so nachhaltig, dass die Geschichte der Pamart-Kuppeln nach 1918 nicht endete:

Nach 1930 wurden 13 verbliebene, eingelagerte Kasematten reaktiviert und für Modernisierungsarbeiten an der Maginot-Linie herangezogen. Zwölf Stück wurden fest verbaut und teilweise so modifiziert, dass sie zur Aufnahme modernerer Waffen geeignet waren.

Die Pamart-Kasematten von Fort de Tavannes

Das im Nordostsektor gelegene Fort de Tavannes nahm während der Schlacht von Verdun eine kritische Schlüsselrolle ein, da es permanent im Fokus deutscher Durchbruchsversuche stand und massivstem Artilleriefeuer ausgesetzt war. Um das Fort gegen direkte Infanterieangriffe zu blockieren, wurde sein Glacis mit zwei Pamart-Kasematten mit zwei Schießscharten verstärkt, die heute noch existieren und besucht werden können.

Der Unterrichtsband „La fortification permanente pendant la guerre de 1914–1918“ der École Militaire et d’Application du Génie aus dem Jahr 1927 enthält einen Plan von Fort de Tavannes mit seinem Stollensystem. Dieser Plan zeigt zwei weitere projektierte Pamart-Kasematten vor der Spitze des Forts:

(Quelle des unbearbeiteten Plans: Commandant Tournoux, La fortification permanente pendant la guerre de 1914-1918, 1927. Digitalisat: Bibliothèque nationale de France, Gallica, https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k65580980)

(Durchgezogene rote Linien stellen fertiggestellte Stollenpartien dar, gepunktete rote Linien projektierte, aber nicht fertiggestellte Stollenpartien. Die Nummern stammen von mir und entsprechen den M-Nummern der Anlagen)

Im Bodenrelief lassen sich alle relevanten Positionen des Plans problemlos verorten:

(Datenquelle: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Auch hier entsprechen die Nummern den M-Nummern der Anlagen. 

Bemerkenswerterweise wurden alle 5 Anlagen völlig unterschiedlich konzipiert:

1) Pamart-Kasematte M1

Hierbei handelt es sich um die nördlichste der Pamart-Kasematten. Der Plan lässt sich so interpretieren, dass zuerst der Zugangsschacht gegraben wurde, auf dem dann die Kasematte errichtet wurde. Ein Verbindungsstollen von der nördlichen Schulterkaponniere des Forts wurde begonnen, aber nicht fertiggestellt. Das lässt darauf schließen, dass die Kasematte möglicherweise über einen heute verschlossenen Notausstieg auf der Süd- oder Südwestseite verfügte, um sie, solange die Anbindung nicht erfolgt war, im Notfall mit Waffen, Munition und Bedienpersonal versorgen zu können.

Die Pamart-Kasematte M1 aus Richtung NNO:

Nahaufnahme:

Die beiden Vorpanzer sind gut zu erkennen.

M1 aus Richtung Südwesten:

Die Oberseite der Kuppel. Man erkennt deutlich eine der verschraubten Periskopöffnungen:

Die folgenden Innenaufnahmen entstanden durch eine der Scharten vor gut 20 Jahren. Die erste zeigt die Pivotachse mit den beiden Halterungen für die Maschinengewehre auf der linken Seite; im Hintergrund erkennt man die Munitionsnische:

Zugang zum Schacht in das Stollensystem. Die Munitionsnische ist oben rechts zu sehen:

2) Pamart Kasematte M2

Diese Kasematte wurde nicht gebaut. Auf dem Plan von 1927 erkannt man dennoch einen Zugangsschacht mit einem kurzen, in Richtung SO führenden Gangstück. Das Bodenrelief zeigt den Schacht deutlich:

(Datenquelle: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Man erkennt außerdem einen Graben, der aus östlicher Richtung an den Schacht heranführt und sich auch vor Ort leicht erkennen lässt:

Der Schacht selbst ist völlig unspektakulär:

3) Pamart Kasematte M3

Der Plan von 1927 zeigt nur den Standort. Im Bodenrelief lässt sich keine Schachtabteufung feststellen, allerdings eine charakteristische Materialanhäufung:

(Datenquelle: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Vor Ort lässt sich die Stelle leicht finden:

Dass es sich um die Position von M3 handelt, konnten wir mit GPS verifizieren. Es steht zu vermuten, dass auch hier zuerst ein Schacht angelegt werden sollte, was aber noch nicht begonnen wurde. Welche Rolle die Materialanhäufungen spielten, ist völlig unklar:


4) Pamart Kasematte M4

Laut Plan von 1927 ist die südliche Pamart-Kasematte M4 vollständig an das Stollensystem des Forts angebunden; bei Vermessungsarbeiten im Stollensystem im Jahr 2003 mussten wir allerdings feststellen, dass der Gang eingestürzt ist.

Das Bodenrelief zeigt zwischen M4 und dem Fort ein auffälliges Feld schwerer Artillerietreffer, die möglicherweise zu einer strukturellen Schwächung des Kalksteins in diesem Gebiet führten, was letztlich zum Einsturz des Gangs führte:

(Datenquelle: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Die Pamard-Kasematte M4 unterscheidet sich signifikant von M1. Wo M1 sehr flach gebaut ist, ragt M4 relativ hoch auf; die Pamart-Kuppel ist in einen hohen Betonkragen eingebettet:

Die Schussrichtung ist grob Süden:

Außer der ungewöhnlichen Höhe gibt es noch einen weiteren Unterschied zu M1, eine in Richtung Norden ausgerichtete, umgekehrt T-förmige Scharte auf der Rückseite zum Abfeuern von Signalgranaten und -raketen, wie man sie auch am Blockhaus M5 findet:

Hier eine Detailaufnahme:

Was bei M1 bisher nur vermutet werden kann, ist bei M4 definitiv vorhanden: Ein Notausstieg auf der Westseite. Er ist vor dem Zuschütten mit Wellblech abgedeckt worden, dessen oberer Teil sichtbar ist. Leider habe ich kein Detailfoto davon, nur diese beiden aus der Entfernung:


Auf dieser seitlichen Nahaufnahme ist der Vorpanzer sehr schön sichtbar:

Ein interessantes Detail auf der Betonoberfläche ist diese Kartusche mit Gravur:

In zwei Zeilen kann man „AVD“ und „GG“ erkennen. Ob es sich dabei um Kürzel militärischer Einheiten handelt, ist unklar. Bei „G“ denkt man im Zusammenhang mit Bunkerbau natürlich sofort an „Génie“, und „AVD“ könnte man als „Avant Droit“ (rechtes Vorfeld) interpretieren, aber letztlich ist das alles Spekulation.

Das Innere von M4 habe ich fotografisch ausführlicher dokumentiert. Bild 1 zeigt die Pivotachse der MG-Lafetten; die beiden hinteren MG-Halterungen sind eingeklappt. Im Hintergrund darunter ist wieder die Munitionsnische erkennbar;

So sieht das andere Ende der Pivotachse mit einer der vorderen MG-Halterungen aus. Die lose aufliegende Metallleiste gehört nicht dazu:

Bei M1 hatte ich die Verschraubung der Periskopöffnung von außen gezeigt – hier sieht man sie bei M4 von innen. Auch ein Teil der Lafettenaufhängung ist zu erkennen:

Zum Schluss noch die vordere MG-Halterung von vorne, leider etwas überbelichtet:

Insgesamt macht es den Eindruck, als sei die Pamart-Kasematte M4 eine Zwischenstufe in der Entwicklung der einfachen Pamart-Kasematten wie z.B. M1 zum Blockhaus M5:

5) Blockhaus M5

Dieses charakteristische Maschinengewehr-Blockhaus von Fort de Tavannes sei hier nur vollständigkeitshalber erwähnt; ich hatte ihm bereits eine eigene Artikelserie gewidmet.

In diesem Blockhaus kam eine weitere Erfindung von Capitain Pamart zum Einsatz, die sogenannte gepanzerten Schartenplatte (Trémie cuirassée). Diese Metallplatte mit einer ca. 10 cm breiten Öffnung wurde direkt in die Betonwand integriert und besaß abgestufte Außenwände (Gradins), um Projektile abzufangen, sowie einen integrierten Gasschutz: Die Lafette war mit einem Gehäusemantel ausgestattet, der das Rohr der Waffe umschloss. Der Durchgang der Kugeln (Projektile) erzeugte darin einen Luftstrom (Injektor-Effekt), der gleichzeitig Frischluft zuführte und die giftigen Brandgase nach außen abführte. Von dieser Vorrichtung ist im Inneren des Blockhauses leider nichts mehr zu sehen.

Epilog: Die Frage der Bewaffnung

Zum Schluss dieser Abhandlung möchte ich auf eine Fragestellung eingehen, die mir lange Kopfzerbrechen bereitet hat: Welche Maschinengewehre kamen in den beiden Pamart-Kasematten von Fort de Tavannes zum Einsatz?

Diese Frag ist gar nicht so einfach zu beantworten. Die Quellen sprechen von den Modellen Hotchkiss Mle. 1900 oder St. Étienne Mle. 1907, das galt es zu überprüfen.

Die Mitrailleuse Hotchkiss Mle. 1900 ist ein frühes französisches Maschinengewehr, das von Benjamin Berkeley Hotchkiss und seinen Ingenieuren in Saint-Denis bei Paris entwickelt wurde.

Das französische Heer erprobte das Modell um die Jahrhundertwende. Es beschaffte zunächst rund 600 Exemplare, nach einer häufig zitierten Darstellung vor allem für den Kolonialdienst.

Das Hotchkiss Mle. 1900 wurde vom französischen Militär im Ersten Weltkrieg zwar noch verwendet, aber nur in vergleichsweise geringer Zahl und nicht als reguläres Standard-MG der französischen Infanterie. Seine Bedeutung lag vor allem darin, dass es die technische Grundlage für das später in großen Stückzahlen produzierte Modell 1914 bildete, das im Ersten Weltkrieg zum französischen Standard-Maschinengewehr aufstieg.

Andere Länder fertigten das Modell 1900 in Lizenz und behielten es teilweise bis zum Zweiten Weltkrieg bei. Hier als Beispiel ein spanisches Modell, das 1938 von der Fábrica de Armas de La Coruña hergestellt wurde (zu sehen im Castillo de San Carlos in Palma de Mallorca):

Die ersten Maschinengewehre, die statt des Hotchkiss Mle. 1900 als Standard-Maschinengewehre eingeführt wurden, waren die Modelle Puteaux Mle. 1905 und Saint-Étienne Mle. 1907. Das Puteaux erwies sich allerdings im Truppendienst schnell als unzuverlässig und wurde deshalb bereits vor dem Krieg weitgehend durch das bessere Saint-Étienne Mle. 1907 abgelöst, hier ein Exponat im Museo Storico Italiano della Guerra in Rovereto:

Wegen des dringenden Bedarfs an zuverlässigen Maschinengewehren wurde zu Kriegsbeginn die Hotchkiss-Konstruktion wieder aufgegriffen und für die Massenproduktion vereinfacht. Das resultierende Mle. 1914 verdrängte zunehmend das Saint-Étienne-MG und wurde schließlich zum schweren Standard-MG der französischen Armee. Das folgende Exponat befindet sich im Fort d'Uxegney bei Épinal:

Theoretisch wären 1917 also hauptsächlich das Hotchkiss Mle. 1914 oder das St. Ètienne Mle. 1907 für die Bestückung der Pamart-Kasematten in Frage gekommen. Da in den einschlägigen Quellen aber wie bereits erwähnt auch das Modell 1900 genannt wird, werde ich es weiterhin in die Betrachtungen einbeziehen.

Als erstes habe ich mir die Abmessungen der 3 Modelle angesehen:

Die Gesamtlänge des St. Étienne Mle. 1907 beträgt 118 cm. Das Hotchkiss Mle. 1900 misst von der Schulterstütze bis zur Laufmündung 139 cm. Sein Nachfolger, das Mle. 1914, hat annährend die gleiche Länge; dabei sind aber zwei Unterschiede zu beachten: Der Lauf des Mle. 1900 ist kürzer, dafür ist die Waffe durch die lange Schulterstütze nach hinten länger. Welche Relevanz das hat, erkennt man am besten, wenn man alle 3 Modelle im Vergleich betrachtet:

Ich habe die Maschinengewehre so angeordnet, dass sich die vorderen Lafettenzapfen, mit denen die Waffen in die Lafette der Pamart-Kasematte eingehängt werden, auf gleicher Höhe befinden. Man erkennt, dass das Hotchkiss Mle. 1914 rechts vom Lafettenzapfen sehr viel länger ist als das St. Étienne und auch deutlich länger als sein Vorgänger Mle. 1900. Für die Verwendung in einer Pamart-Kasematte hat das folgende Relevanz:

Das St. Étienne passt problemlos hinein:

Auch das Hotchkiss Mle. 1900 passt, wenngleich auch deutlich knapper:

Das Hotchkiss Mle. 1914 ist zu lang, um in den Koffer des Vorpanzers zu passen; es fehlen schätzungsweise 10 cm:

Das Hotchkiss Mle. 1914 kommt also für die Bestückung der Pamart-Kasematten auf keinen Fall in Frage und dürfte auch nicht dafür vorgesehen gewesen sein.

Es fällt mir auch schwer zu glauben, dass in den beiden Pamart-Kasematten von Fort de Tavannes Hotchkiss Maschinengewehre Mle. 1900 installiert waren, aber das ist eher ein Bauchgefühl aufgrund des Umstands, dass nur 600 Stück davon beschafft worden waren. Zum Vergleich: Bis 1917 wurden 41.000 St. Étienne MGs in verschiedenen Ausführungen beschafft und bis Kriegsende ca. 47.000 Hotchkiss Mle. 1914.

Mein Favorit für die beiden Pamart-Kasematten ist das St. Étienne Mle. 1907, und das hat auch noch einen anderen Grund. Ende der 1980er Jahre entdeckten wir im Bereich Fort de Tavannes eine Stelle, wo größere Mengen Fundmunition gesprengt worden waren. Ob das im Rahmen der Dreharbeiten zum Film „Verdun, Visions d’Histoire“ von Léon Poirier geschah, in dem Fort de Tavannes das Fort Vaux verkörperte, oder ob der Kampfmittelräumdienst (Démineurs) die Munition gesprengt hat, konnten wir nicht herausfinden. Tatsache ist aber, dass der Sprengort große Mengen beschädigter und fragmentierter französischer Handgranaten der Modelle CF, F1 und VB enthielt sowie Lebel 8 mm Gewehrmunition und --- St. Étienne-Ladestreifen! Bevor Fort de Tavannes 2008 / 2009 endgültig verschlossen wurde, war ich regelmäßig dort unterwegs und habe diese Ladestreifen auch an anderen Stellen gefunden; Hotchkiss-Ladestreifen waren nie darunter. Das führt mich zu der Annahme, dass im Fort de Tavannes nur St. Étienne Maschinengewehre im Einsatz waren.




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