Mittwoch, 14. Oktober 2026

Update zur Scheinwerferstellung der Batterie Mardi Gras / Verdun

Als ich den ersten Artikel über die Scheinwerferstellung derBatterie Mardi Gras veröffentlichte, kannte ich nur die Position der Tagstellung aus Beton. Wo die Nacht- bzw. Einsatzstellung war und wo die Schienentrasse verlief, war mir damals nicht bekannt, ebensowenig, wo sich das Generatorengebäude befand.

Seitdem habe ich einiges zusätzliches Material bekommen, das mir zumindest dazu verholfen hat, eine Hypothese aufzustellen.

Da wären zunächst detaillierte militärische Stellungs- und Grabenkarten aus der vom französischen Generalstab erarbeiteten historischen Dokumentation „Les Armées Françaises dans la Grande Guerre“, online verfügbar auf https://www.memoiredeshommes.defense.gouv.fr/.

Ich bin auf 3 Karten im Maßstab 1:10000 aus dem Jahr 1916 gestoßen, die u.a. die Gegend nördlich der Batterie Mardi Gras darstellen, hier exemplarisch die Version vom 3. Juni 1916:

(Bildquelle: memoiredeshommes.defense.gouv.fr / © Ministère des armées - Mémoire des Hommes)

Ich habe den wesentlichen Bereich der Karte auf seine wichtigsten Elemente reduziert und beispielsweise die Höhenlinien herausgelöscht. Das Ergebnis sieht so aus:

Ich interpretiere diesen Ausschnitt wie folgt:

(1) Ist die Tagstellung des Scheinwerfers, die man auch heute noch sieht, (2) ist die Schienentrasse und (3) ist die Nacht- bzw. Einsatzstellung oberhalb der Eisenbahntrasse Metz-Verdun. (4) ist auf der Karte mit „Abri“ (Unterstand) gekennzeichnet; ich vermute, dass es sich dabei um das Generatorengebäude handelt.

Darauf gekommen bin ich, als ich mir auf der gleichen Karte die Gegend um die Scheinwerferstellung von Eix ansah:

(Bildquelle: memoiredeshommes.defense.gouv.fr / © Ministère des armées - Mémoire des Hommes)

Was hier mit „Abri“ gekennzeichnet ist, ist tatsächlich das Generatorengebäude, hier ein paar Fotos von 2004:

(mit freundlicher Genehmigung von Bernd Nommsen)

Das Kartensymbol für diesen Abri ist identisch mit dem nördlich der Batterie Mardi Gras.

Natürlich habe ich mir das auch auf dem Bodenrelief angesehen:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Schienentrasse zu erkennen. Sie verläuft zwischen einem Waldweg neueren Datums und einem Schützengraben und ist stärker gekrümmt als auf der Karte:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Die Einsatzposition des Scheinwerfers ist optimal gewählt. Ich habe die Höhenprofile in Richtung Nordosten ausgewertet; die Bahnstrecke kann einige Kilometer weit in Richtung Étain ausgeleuchtet werden. Hier das Bodenrelief zwischen Fort de Tavannes und Eix-Abaucourt:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Die rote gestrichelte Linie ist die Aufnahmelinie für das Höhenprofil:

Die Konstellation Tagstellung – Schienentrasse – Einsatzstellung dürfte also plausibel sein. Was mir nun noch Kopfzerbrechen bereitet, ist die Position des Generatorengebäudes. Ich habe die Abstände zwischen den vermuteten Positionen vermessen:

(Bildnachweis: © IGN – Données publiques / Licence Ouverte Etalab)

Der Suchscheinwerfer wurde mit Gleichstrom unter niedriger Spannung betrieben, was eine hohe Stromstärke erfordert. Gleichstrom bei niedriger Spannung ist über weite Strecken extrem anfällig für Leitungsverluste; jeder Meter Kabel verringert den Strom, der am Scheinwerfer ankommt. Fällt die Spannung am Scheinwerfer durch den Leitungswiderstand zu stark ab, kann der Lichtbogen zwischen den Kohlestiften nicht mehr stabil brennen. Er flackert, reißt ab oder die Lichtleistung bricht massiv ein.

Einen 60cm-Scheinwerfer (um den kleinstmöglichen Durchmesser anzunehmen) über eine Entfernung von 180 Metern mit genügend Strom zu versorgen, hätte ein Kabel von 70 mm² erfordert, was einem Kabel-Gesamtgewicht von 400 bis 500 Kilogramm für Hin- und Rückleitung entsprochen hätte. Die Anlage ist zwar sicher noch vor dem Krieg errichtet worden, aber ich bin sehr skeptisch, ob man diesen Aufwand getrieben hätte, zumal es strategisch sicher günstigere Positionen gegeben hätte.

Zum Vergleich dazu die Scheinwerferstellung auf dem MonteBrione am Gardasee:

(Bilder © 2026 Airbus, Kartendaten © 2026 Google)

Der Eingang zum Generatorenstollen und die Einsatzposition des Scheinwerfers sind hier gerade mal 31 Meter voneinander entfernt, was eine erheblich vernünftigere Position ist:

Unglücklicherweise gibt es weder im Bodenrelief noch auf den Karten der Scheinwerferstellung Mardi Gras irgendein anderes Objekt in vernünftiger Entfernung, das sich als Generatorenhaus interpretieren ließe – es gibt nur besagten „Abri“.

Auch auf meinen Luftbildern ist nur der „Abri“ eindeutig als Gebäude zu erkennen. Das erste Bild ist vom 30. April 1916; man erkennt oben links den „Abri“. Er hat keine Erdüberdeckung wie die Scheinwerfer-Tagstellung, die sich ungefähr in der Bildmitte befindet, was für ein Gebäude spricht und nicht um einen Unterstand im Sinne eines Bunkers. Die Schienentrasse erkennt man nicht, sie ist unter der Vegetation verborgen.

Zwei weitere Luftbilder von 1916 haben den gleichen Aussagegehalt. Hier Nummer 4 vom 25. August 1916, also 4 Monate später:

Die Landschaft hat deutlich unter dem 6-monatigen Artilleriebeschuss gelitten, die Vegetation ist stark reduziert. Der „Abri“ oben links scheint wenig beschädigt; die Schienentrasse ist allenfalls zu erahnen. Es ist fraglich, ob der Scheinwerfer zu dieser Zeit überhaupt noch betrieben werden konnte.

Soweit die Hypothese. Sie wird noch eine Weile auf Überprüfung warten müssen, denn die Entfernung zwischen Erlangen und Verdun macht es unwahrscheinlich, dass ich mir das in absehbarer Zeit vor Ort ansehen kann. Vielleicht hat ja einer meiner Leser einen Anhaltspunkt darüber, ob der „Abri“ tatsächlich das Generatorengebäude ist; in diesem Fall bitte ich um entsprechende Kommentierung oder E-Mail.

Abschließend vollständigkeitshalber noch ein Foto, vermutlich von 1916, das ich kürzlich erstanden habe. Es zeigt eine Gruppe von 5 französischen Soldaten am Eingang des Generatorengebäudes von Mardi Gras (die Kolorierung stammt von mir):



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