Als ich den ersten Artikel über die Scheinwerferstellung derBatterie Mardi Gras veröffentlichte, kannte ich nur die Position der
Tagstellung aus Beton. Wo die Nacht- bzw. Einsatzstellung war und wo die
Schienentrasse verlief, war mir damals nicht bekannt, ebensowenig, wo sich das
Generatorengebäude befand.
Seitdem habe ich einiges zusätzliches Material bekommen, das
mir zumindest dazu verholfen hat, eine Hypothese aufzustellen.
Da wären zunächst detaillierte militärische Stellungs- und
Grabenkarten aus der vom französischen Generalstab erarbeiteten historischen
Dokumentation „Les Armées Françaises dans la Grande Guerre“, online verfügbar
auf https://www.memoiredeshommes.defense.gouv.fr/.
Ich bin auf 3 Karten im Maßstab 1:10000 aus dem Jahr 1916
gestoßen, die u.a. die Gegend nördlich der Batterie Mardi Gras darstellen, hier
exemplarisch die Version vom 3. Juni 1916:
Ich habe den wesentlichen Bereich der Karte auf seine
wichtigsten Elemente reduziert und beispielsweise die Höhenlinien
herausgelöscht. Das Ergebnis sieht so aus:
Ich interpretiere diesen Ausschnitt wie folgt:
(1) Ist die Tagstellung des Scheinwerfers, die man auch
heute noch sieht, (2) ist die Schienentrasse und (3) ist die Nacht- bzw.
Einsatzstellung oberhalb der Eisenbahntrasse Metz-Verdun. (4) ist auf der Karte
mit „Abri“ (Unterstand) gekennzeichnet; ich vermute, dass es sich dabei um das
Generatorengebäude handelt.
Darauf gekommen bin ich, als ich mir auf der gleichen Karte
die Gegend um die Scheinwerferstellung von Eix ansah:
Was hier mit „Abri“ gekennzeichnet ist, ist tatsächlich das
Generatorengebäude, hier ein paar Fotos von 2004:
Das Kartensymbol für diesen Abri ist identisch mit dem nördlich der Batterie Mardi Gras.
Natürlich habe ich mir das auch auf dem Bodenrelief
angesehen:
Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Schienentrasse zu
erkennen. Sie verläuft zwischen einem Waldweg neueren Datums und einem
Schützengraben und ist stärker gekrümmt als auf der Karte:
Die Einsatzposition des Scheinwerfers ist optimal gewählt.
Ich habe die Höhenprofile in Richtung Nordosten ausgewertet; die Bahnstrecke
kann einige Kilometer weit in Richtung Étain ausgeleuchtet werden. Hier das
Bodenrelief zwischen Fort de Tavannes und Eix-Abaucourt:
Die rote gestrichelte Linie ist die Aufnahmelinie für das Höhenprofil:
Die Konstellation Tagstellung – Schienentrasse – Einsatzstellung dürfte also plausibel sein. Was mir nun noch Kopfzerbrechen bereitet, ist die Position des Generatorengebäudes. Ich habe die Abstände zwischen den vermuteten Positionen vermessen:
Der Suchscheinwerfer wurde mit Gleichstrom unter niedriger
Spannung betrieben, was eine hohe Stromstärke erfordert. Gleichstrom bei
niedriger Spannung ist über weite Strecken extrem anfällig für Leitungsverluste;
jeder Meter Kabel verringert den Strom, der am Scheinwerfer ankommt. Fällt die
Spannung am Scheinwerfer durch den Leitungswiderstand zu stark ab, kann der Lichtbogen zwischen den Kohlestiften nicht mehr stabil
brennen. Er flackert, reißt ab oder die Lichtleistung bricht massiv ein.
Einen 60cm-Scheinwerfer (um den kleinstmöglichen Durchmesser
anzunehmen) über eine Entfernung von 180 Metern mit genügend Strom zu
versorgen, hätte ein Kabel von 70 mm² erfordert, was einem Kabel-Gesamtgewicht
von 400 bis 500 Kilogramm für Hin- und Rückleitung entsprochen hätte. Die
Anlage ist zwar sicher noch vor dem Krieg errichtet worden, aber ich bin sehr
skeptisch, ob man diesen Aufwand getrieben hätte, zumal es strategisch sicher
günstigere Positionen gegeben hätte.
Zum Vergleich dazu die Scheinwerferstellung auf dem MonteBrione am Gardasee:
Der Eingang zum Generatorenstollen und die Einsatzposition
des Scheinwerfers sind hier gerade mal 31 Meter voneinander entfernt, was eine
erheblich vernünftigere Position ist:
Unglücklicherweise gibt es weder im Bodenrelief noch auf den
Karten der Scheinwerferstellung Mardi Gras irgendein anderes Objekt in
vernünftiger Entfernung, das sich als Generatorenhaus interpretieren ließe – es
gibt nur besagten „Abri“.
Auch auf meinen Luftbildern ist nur der „Abri“ eindeutig als Gebäude zu erkennen. Das erste Bild ist
vom 30. April 1916; man erkennt oben links den „Abri“. Er hat keine
Erdüberdeckung wie die Scheinwerfer-Tagstellung, die sich ungefähr in der
Bildmitte befindet, was für ein Gebäude spricht und nicht um einen Unterstand
im Sinne eines Bunkers. Die Schienentrasse erkennt man nicht, sie ist unter der
Vegetation verborgen.
Zwei weitere Luftbilder von 1916 haben den gleichen Aussagegehalt. Hier Nummer 4 vom 25. August 1916, also 4 Monate später:
Die Landschaft hat deutlich unter dem 6-monatigen Artilleriebeschuss gelitten, die Vegetation ist stark reduziert. Der „Abri“ oben links scheint wenig beschädigt; die Schienentrasse ist allenfalls zu erahnen. Es ist fraglich, ob der Scheinwerfer zu dieser Zeit überhaupt noch betrieben werden konnte.
Soweit die Hypothese. Sie wird noch eine Weile auf
Überprüfung warten müssen, denn die Entfernung zwischen Erlangen und Verdun
macht es unwahrscheinlich, dass ich mir das in absehbarer Zeit vor Ort ansehen
kann. Vielleicht hat ja einer meiner Leser einen Anhaltspunkt darüber, ob der „Abri“
tatsächlich das Generatorengebäude ist; in diesem Fall bitte ich um
entsprechende Kommentierung oder E-Mail.
Abschließend vollständigkeitshalber noch ein Foto, vermutlich von 1916, das ich kürzlich erstanden habe. Es zeigt eine Gruppe von 5 französischen Soldaten am Eingang des Generatorengebäudes von Mardi Gras (die Kolorierung stammt von mir):













































































